Konzert

New Rock & Metal Hammer Dezember 2001

12.10.2001
Oldenburg (Werk2): Nagelfar + Of Trees And Orchids + Daemon's Embrace + The Awakening + Hidden In The Fog

"Warum stehen diese Bands eigentlich nicht unter Vertrag?", lautet die meistgestellte Frage auf der Untergrund Black-Metal-Veranstaltung, ist doch die Hauptband Nagelfar die einzige Gruppe, die einen Plattenkontrakt an Land gezogen hat. Schon die eröffnenden Magdeburger HIDDEN IN THE FOG können mit ihrem an Emperor angelehnten Bombast-Black-Metal dermaßen begeistern, dass ihre Demos nach dem Auftritt blitzartig ausverkauft sind. Gleiches lässt sich von den Lokalmatadoren The Awakening sagen, bei denen sich melodischer Pagan-Metal mit Death-Metal Einflüssen originell verbindet. Das Ganze wird von einem sehr variablen Sänger gekonnt abgerundet. Die Band nimmt die heutige Gelegenheit wahr und präsentiert auch neue Stücke. Ebenfalls aus Oldenburg stammen Daemon's Embrace. Das Trio wuchtet klassischen Black Metal nordischer prägung in die Menge und trifft damit offensichtlich den Geschmack des heftig applaudierenden Publikums. Nach zahlreichen Besetzungswechseln in der Vergangenheit scheint sich endlich eine stabile und ausgesprochen gut harmonierende Formation gefunden zu haben. Danach folgen die Ostfriesen Of Trees And Orchids, die technisch anspruchsvollen Death Metal zelebrieren und mit den großen amerikanischen Vorbildern durchaus mithalten können. Besonders der Schlagzeuger trümmert beeindruckend auf seinen Fellen herum und hinterlässt offene Münder. Nach Mitternacht ist es dann endlich soweit: die Headliner Nagelfar entern zu den Klängen von "Westwall" mit bemalten Körpern die Bühne. Sänger Zingultus, der den optischen Fokus für die eiskalte Aggression des Quartetts bildet, macht mit einem Schreckschuß dem Publikum gleich deutlich, wo es lang geht. So mancher der Zuschauer wird da auch ohne Corpsepaint bleich. Die Aachener gewähren musikalisch keine Gnade, sondern spielen rohen und knallharten Black Metal, der immer eigenständig bleibt und zu keiner Zeit skandinavischen Vorbildern hinterher hechelt. Eingerahmt von "Fäden des Schicksals" und dem grandiosen "Meuterei" vom neuen Album Virus West bringt die Band mit fünf weiteren Knüppelsongs die Meute völlig zum Ausrasten. Schade, dass sich Nagelfar so selten live präsentieren, denn sie stehen zweifellos an der Spitze des deutschen Black Metal. Daumen hoch für diese äußerst gelungene Veranstaltung.
- Gunnar Sauermann -